Vom Bergdorf Olías zum Dolmen Cerro de la Corona
Beschaulichkeit statt Großstadt-Trubel Wer über die kurvenreiche Straße nach Olías fährt, kann sich nur wundern: Dieses Bergdorf soll zu Malaga-Stadt gehören? In der Tat. Der 800-Seelen-Ort in den Montes de Málaga, denwir heute besuchen, gilt seit den 40er-ahren des letzten Jahrhunderts als Bezirk der andalusischen Hafenstadt.Die Anfahrt über El Palo bietet weite Ausblicke über die Bucht von Malaga und die umgebenden Bergketten. Auf 420 Meter über dem Meeresspiegel kommen wir in Olías an und merken: Hier herrscht ein anderes Tempo als im quirligen Malaga - entspannende Ruhe, keine Autos. Die hätten in den engen Gassen auch kaum Platz. Beim ersten Rundgang im beschaulichen Olías begegnen wir ein paar älteren Dorfbewohnern und mindestens ebenso vielen frei umher laufenden Hunden. Man hört Hähne krähen, ein Pferd schnauben und dann unterhalten sich die Hunde bellend. Manche Häuser sind renoviert, andere verfallen oder werden nicht fertig gebaut und stehen zum Verkauf.
Die Kirche San Vicente Ferrer
Gerade als wir vor der unscheinbaren Kirche stehen, geht das Tor von innen auf. "Buenos días, wollt ihr eintreten und euch umschauen?"Das Gotteshaus wurde 1505 erbaut, vom Originalzustand ist lediglich die Fassade erhalten, die anderen Gebäudeteile wurden mehrmals umgebaut. Im Inneren sehen wir eine reich geschmückte und golden glänzende Virgen (Jungfrau Maria) und eine Statue von SanVicente Ferrer, nach dem die Kirche benannt ist. Dem Dominikaner aus Valencia, der in Spanien, Frankreich und Italien im 14./15.Jahrhundert predigte, werden zahlreiche Wunder zugeschrieben. Davon erzählen auch die Fliesen an der linksseitigen Kirchenfassade.Ende Juli feiert das Dorf jedes Jahr mit einer Feria den Dorfpatron San Vicente Ferrer.
Von Menschen und Pflanzen in Olias
Was uns Maria erzählt, scheint exemplarisch für Olias: Ihr Mann arbeitet in Marbella und pendelt jeden Tag 80 km hin und wieder retour, denn Arbeitsplätze gibt es hier oben keine. Die Tochter studiert in Malaga. Maria selbst ist zuhause und pflegt ihre Mutter. Ob der Wegnach Malaga nicht mühsam sei, mit den ganzen Serpentinen? "Aber nein", meint sie, "mein Mann fährt die 10 Kilometer nach El Palo in 15 Minuten" - immerhin 5 Minuten schneller als Google Maps anzeigt. Wir fragen Maria, ob es Ausländer hier in Olías gibt. Ja, eine Handvoll Engländer und Marokkaner und einen Italiener. Die meisten Einwohner arbeiten in Malaga und kommen am Abend wieder nach Olías zurück.Sehenswürdigkeiten oder Museen hat Olias nicht zu bieten. Dafür gibt es meterhohe Pflanzen, die man im Norden Europas als Topfpflanzen im Advent kennt: Weihnachtssterne. Gute 3-4 Meter hoch wachsen die Bäume und bringen im Winter mit ihren roten BlätternFarbe ins weiße Dorf. Erst wenn die Nächte ab November länger als 12 Stunden dauern, färben sich die Hochblätter rot ein und locken so Insekten zur Bestäubung an.
Ein Blick in Pilars Küche, wo die Eintöpfe schmoren
Direkt an der Straße liegt die Antigua Taberna de Juan Antonio. Ein einfaches Gasthaus, das bodenständige Küche anbietet. Eine Speisekarte gibt es nicht, aber Chefin Pilar zählt auf, was sie heute gekocht hat. Wir entscheiden uns für "Löffelgerichte" (platos de cuchara), damit sind Suppen oder Eintöpfe gemeint. Traditionell serviert im braunen Keramikgeschirr bringt uns Pilar einen Bohneneintopf mit Fleisch (fabada) und einen Eintopf mit Meeresfrüchten (sopa de mariscos). Wir genießen unser Mittagessen auf der sonnigen Terrasse. Beim Zahlen fragt Pilar, ob es uns geschmeckt hat und ob wir wiederkommen. Ja, das werden wir. Vielleicht gibt es beim nächsten Besuch wieder albóndigas en salsa dealmendras (Fleischbällchen in Mandelsoße) - die möchten wir unbedingt probieren. Achtung: In der Taberna wird nur Bargeld akzeptiert.
Dolmen Cerro de la Corona
Für den Rückweg nehmen wir die andere Strecke, die nach Rincon de la Victoria führt. Der Weg ist nicht so malerisch wie die Anfahrt über El Palo, wir möchten uns jedoch den Dolmen Cerro de la Corona anschauen. Das Navi leitet uns verlässlich in die Nähe der Grabstätte, die kurz vor der Abzweigung nach Totalan liegt. Die letzten 200 Meter legen wir zu Fuß zurück. Es ist nicht wirklich viel zu sehen, ein kleines abgegrenztes Stück Erde. Als wir nachlesen, dass der Dolmen 3.000-4.000 vor Christus errichtet wurde, sind wir doch irgendwie beeindruckt. Wie habendie Menschen vor 5.000-6.000 Jahren wohl hier gelebt? In der Grabstätte wurden Keramikscherben und über 4.000 Knochenteile gefunden, die von mindestens 10 Menschen stammen. Voraussichtlich waren dies großteils Kinder im Alter von 3-4 Jahren. Was hierwohl geschehen sein mag? Wir genießen den Ausblick und die wärmende Wintersonne. Sinnieren ein wenig über die Vergänglichkeit des Lebens. Nach 10 Minuten Autofahrt sind wir wieder im 21. Jahrhundert angelangt, beim Einkaufszentrum von Rincon de la Victoria.
Route: El Palo - Olias - Dolmen - Rincon de la Victoria
Die Tour ist auch mit dem E-Bike gut zu fahren.
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